Karte Wandelweg Schaephuysen

Vom Leuchtturmpfad zum Wandelweg

Wie aus einer Idee ein lebendiges Dorfprojekt wurde


Was heute als
Wandelweg der Artenvielfalt durch Schaephuysen führt, ist weit mehr als ein ausgeschilderter Spazierweg. Er verbindet Natur, Umweltbildung, Heimatgeschichte, Kunst und Begegnung miteinander – und vor allem erzählt er die Geschichte eines Dorfes, in dem immer wieder Menschen Ideen entwickeln und gemeinsam etwas daraus entstehen lassen.

Dabei ist der Wandelweg nicht auf einmal entstanden. Er ist über viele Jahre gewachsen. Aus einzelnen Projekten wurden neue Ideen, aus Ideen neue Stationen und aus einzelnen Stationen schließlich ein Weg, der immer wieder erweitert und verändert wird.


2019 – Die Idee vom „Leuchtturmpfad“

Den Anfang machte die Idee, verschiedene besondere Orte in Schaephuysen miteinander zu verbinden. Der zunächst als „Leuchtturmpfad“ bezeichnete Weg sollte bestehende ökologische Projekte miteinander verknüpfen und gleichzeitig neue Anlaufpunkte schaffen.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der alte Trafoturm. Er sollte vom ehemaligen technischen Bauwerk zu einem Turm der Artenvielfalt werden. Gleichzeitig entstand der Gedanke, die vorhandenen und zukünftigen Projekte miteinander zu verbinden – zunächst im Sinne eines Weges „von Turm zu Turm“.

Damit war der Grundstein für das gelegt, was später zum Wandelweg der Artenvielfalt werden sollte.


2020 – Das „Gleis der Artenvielfalt“

Ein erstes großes sichtbares Projekt entstand auf der ehemaligen Bahntrasse. Das „Gleis der Artenvielfalt“ verbindet Natur, Gestaltung und Umweltbildung und wurde gemeinsam mit dem Verein Artenschutz in Franken entwickelt.

Unterstützt wurde das Projekt durch die Deutsche Postcode Lotterie. Nach rund einem Jahr Entwicklungs- und Vorbereitungszeit wurde das Projekt am 25. Oktober 2020 offiziell der Öffentlichkeit übergeben.


Aus dem ursprünglichen Gedanken eines Weges zwischen einzelnen „Leuchttürmen“ wurde damit zunehmend ein Erlebnisweg, der Natur und Umweltbildung miteinander verbindet.

Noch im selben Jahr kamen weitere Elemente hinzu: Kunstobjekte, Pflanzungen und erste Ideen für zusätzliche Stationen. Der Weg begann sichtbar zu wachsen.


2021 – Aus dem Weg wird eine Dorfrunde

Schon bald zeigte sich, dass der Wandelweg nicht bei seinen ersten Stationen stehen bleiben sollte. Anfang 2021 wurde die Route erweitert und entwickelte sich immer mehr zu einer „halben Dorfrunde“.

Neue Stationen und Projekte kamen hinzu. Dazu gehörten unter anderem das Entenwäldchen, das Storchennest und weitere Elemente rund um Natur und Artenvielfalt.

Das Entenwäldchen ist dabei ein schönes Beispiel dafür, wie aus einer kleinen Idee ein dauerhaftes Gestaltungselement entstehen kann. Die bunten Enten wurden bewusst überwiegend aus gebrauchten oder geschenkten Materialien geschaffen. Gleichzeitig sollte die Installation auf den sorgsameren Umgang mit Plastik in der Natur aufmerksam machen.


Auch die Idee eines „Ortes der Stille“ auf dem Mühlenberg nahm in dieser Zeit Gestalt an. Aus einer zunehmend verwilderten und vom Verschwinden bedrohten Gedenkstätte sollte wieder ein besonderer Ort für Natur, Geschichte und Begegnung werden.


2022 – Natur, Geschichte und Nachbarschaft wachsen zusammen

2022 wurde deutlich, dass der Wandelweg längst mehr war als ein reiner Naturlehrpfad.

Am ehemaligen Heimatmuseum und in der Baumsiedlung entstand beispielsweise die Bienenlehrwand „Wilde Bienchen“. Das Umfeld wurde naturnah gestaltet und gemeinsam gepflegt. Gleichzeitig entwickelte sich daraus eine kleine Nachbarschaftsinitiative unter dem Motto „Unkraut pflücken und klönen“.



Damit wurde deutlich, was den Wandelweg bis heute auszeichnet: Es geht nicht nur darum, etwas aufzustellen, sondern darum, Menschen dafür zu gewinnen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Der Standort wurde zugleich als weiterer Höhepunkt des Wandelwegs beschrieben.

In der Baumsiedlung entstand auch das Projekt „Nachtleben von Schaephuysen“. Eine bisher wenig beachtete Verkehrsinsel wurde ökologisch aufgewertet und mit Elementen für nachtaktive Tiere und einer Umweltbildungseinheit versehen. Das Projekt wurde von Artenschutz in Franken entwickelt und durch die Deutsche Postcode Lotterie gefördert. Heute ist es Bestandteil der Nordroute des Wandelwegs.


Auch die Geschichte des Dorfes bekam zunehmend ihren festen Platz im Weg. Die Station „Der Blick zurück“ gehört zu den bereits früh dokumentierten Stationen des Wandelwegs und erinnert daran, dass Artenvielfalt und Heimatgeschichte hier bewusst miteinander verbunden werden.


Mit dem Guckloch der Heimatgeschichte kam ein weiterer ungewöhnlicher Baustein hinzu: Ein kleiner Ausstellungsort, der Geschichte auf moderne und wechselnde Weise vermittelt.

So wurde der Wandelweg immer mehr zu einer Verbindung von Natur erleben – Geschichte entdecken – Dorf kennenlernen.


2023 – Der „Ort der Stille“ bekommt eine neue Zukunft


Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Entwicklung des Wandelwegs ist der „Ort der Stille“ auf dem Mühlenberg.

Gemeinsam mit zahlreichen Helfern wurde die alte Gedenkstätte neu gestaltet. Unterstützt wurde das Projekt durch den Heimatscheck NRW. In die Gestaltung flossen zahlreiche vorhandene Materialien und historische Elemente ein.

Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, die Bilderstöcke aufgearbeitet und eine Informationstafel zur Geschichte des Ortes aufgestellt.
Nach vielen Monaten Arbeit und hunderten ehrenamtlich geleisteten Stunden wurde der „Ort der Stille“ am
18. Juni 2023 offiziell eröffnet und eingesegnet.

Heute verbindet dieser Platz auf besondere Weise Heimatgeschichte, Natur und Ruhe und ist ein fester Bestandteil des Wandelwegs.


2023 – Der Geerkensteg wird naturnah


Eine weitere wichtige Ergänzung entstand 2023 etwas abseits der bisherigen Stationen: der Geerkensteg.

Volker Große und Michael Sonfeld entwickelten zu Beginn des Jahres die Idee, den beliebten Wirtschaftsweg hinter den Siedlungen naturnäher zu gestalten. Aus einem zunächst eher unscheinbaren Wirtschaftsweg sollte ein Bereich werden, der Spaziergängern etwas bietet und gleichzeitig Lebensraum für Tiere und Pflanzen schafft.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt durch einen Zuschuss aus dem Landesprogramm „2.000 mal 1.000 Euro“. Weitere Unterstützung kam unter anderem vom VfGuH, einem örtlichen Dachdeckermeister, einer Schreinerei in Saelhuysen, einem Holzbauunternehmen, dem Wasserverbund Niederrhein (WVN), der Gemeinde Rheurdt sowie durch eine private Spende.

Bei einer gemeinsamen Pflanzaktion brachte die Siedlergemeinschaft „Am Paschweg“ zahlreiche heimische Gehölze in den Boden.

Damit wurde auch der Geerkensteg Teil des Wandelweg-Konzepts.


Das Projekt zeigt zugleich sehr schön, wie sich der ursprüngliche Gedanke weiterentwickelt hat: Der Wandelweg endet nicht zwangsläufig an einer Informationstafel. Auch ein naturnah gestalteter Weg, eine Hecke, ein Insektenlebensraum oder ein Treffpunkt können Teil dieser Idee werden.


2023 – Aus dem Heimatmuseum wird der ZeitRAUM


Auch die Heimatgeschichte selbst hat sich weiterentwickelt.

Das frühere Heimatmuseum wurde zum heutigen ZeitRAUM. Die Geschichte des Dorfes bleibt dabei der Kern, gleichzeitig bietet der neue Name Raum für wechselnde Ausstellungen, Veranstaltungen und Begegnungen.


Eine besondere Ergänzung entstand 2023/24 im alten Trafoturm. Dort wurde das Erdgeschoss zu einem kleinen Museum und „Zeitfenster in die 50er Jahre“ gestaltet. Die Idee dazu stammte von Dr. Cornelia Camp, die historische Gegenstände aus der Nachkriegszeit sammelte.

Unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch Westenergie im Rahmen der Aktion „Westenergie aktiv vor Ort“. Für Material standen bis zu 2.000 Euro zur Verfügung. Zahlreiche Beteiligte investierten darüber hinaus viele Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Der Trafoturm verbindet damit heute zwei wesentliche Gedanken des Wandelwegs: Artenvielfalt und Heimatgeschichte.


2024 – Das Igelrevier


Der Wandelweg entwickelte sich weiter in Richtung Artenschutz.

Am Hochbehälter des Wasserverbunds Niederrhein entstand das Igelrevier. Die Idee dazu entwickelten Michael Sonfeld und Igelexpertin Bianca Kettler.

Zwischen Gehölzen und Totholz entstand ein geschützter Lebensraum mit Igelhäusern und einem Futterhaus. Aufgepäppelte Igel können hier nach ihrer Genesung wieder an die Natur gewöhnt und anschließend ausgewildert werden.

Auch dieses Projekt ist mehr als ein einzelner Naturbaustein: Es verbindet praktischen Artenschutz mit Umweltbildung und ergänzt die bereits vorhandenen Projekte rund um den Wandelweg.


Und der Weg geht weiter


Wenn man die Entwicklung betrachtet, wird deutlich: Der Wandelweg der Artenvielfalt ist kein abgeschlossenes Projekt.

Aus dem ursprünglichen Gedanken eines „Leuchtturmpfads“ ist über die Jahre ein Netzwerk unterschiedlichster Orte und Projekte entstanden.

Heute gehören unter anderem das Gleis der Artenvielfalt, der Landwehrbach, das Storchennest, die Trafokunst, die Kirche, der ZeitRAUM, Nachtleben, der Grillplatz und Michaelsturm, der Ort der Stille, Der Blick zurück, das Guckloch, die Insektenstele, der Geerkensteg und weitere Natur- und Umweltbildungsprojekte zu dieser Entwicklung.


Nicht jede dieser Stationen ist dabei gleich entstanden. Manche wurden vom Verein selbst entwickelt, andere gemeinsam mit Partnern, Nachbarschaften, Schulen, Kindergärten, Unternehmen oder anderen Vereinen. Manche wurden durch Förderprogramme ermöglicht, andere durch Spenden oder ganz einfach durch viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Genau das macht den Wandelweg aus.


2026 – Mit dem Ruderboot aufs Wasser


Mit dem Ruderbootverleih am Samannshof ist inzwischen ein weiteres Projekt des Vereins hinzugekommen.

Der Ruderbootverleih ist keine Station des eigentlichen Wandelwegs und liegt etwas außerhalb der bisherigen Wegführung. Trotzdem passt er zu der Entwicklung, die mit dem Wandelweg begonnen hat: Menschen sollen ihre Heimat erleben können – zu Fuß, auf dem Rad und nun auch vom Wasser aus.

Der Verleih ermöglicht ein besonderes Naturerlebnis auf dem Wasser und wird weitgehend selbstständig betrieben. Auch hier stehen ehrenamtliches Engagement und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur im Mittelpunkt.

Damit ist der Ruderbootverleih ein eigenständiges Projekt – aber gleichzeitig ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die Arbeit des Vereins immer wieder neue Wege sucht.


Ein Weg, der eigentlich nie fertig ist

Vielleicht ist das die schönste Eigenschaft des Wandelwegs: Er ist nicht fertig.

Immer wieder kommen neue Ideen hinzu. Manche werden zu einer Station, andere zu einem eigenen Projekt. Manches entsteht aus einem Förderprogramm, manches aus einer privaten Initiative und manches beginnt ganz unspektakulär mit einem Satz wie: „Das könnte man doch eigentlich schöner machen.“

So ist aus dem ursprünglichen Gedanken eines Leuchtturmpfads ein lebendiges Netzwerk geworden, das Natur, Heimatgeschichte, Gartenkultur, Umweltbildung und Gemeinschaft miteinander verbindet.

Und hinter all dem stehen vor allem Menschen aus Schaephuysen und Umgebung, die ihre Freizeit investieren, Ideen entwickeln, anpacken, pflanzen, bauen, pflegen, erklären und manchmal einfach nur dafür sorgen, dass ein Projekt auch Jahre später noch funktioniert.

Der Wandelweg der Artenvielfalt ist deshalb nicht nur ein Weg durch Schaephuysen. Er ist auch ein Stück gelebte Dorfgeschichte.


Und vielleicht führt sein nächstes Stück Weg schon wieder zu einer ganz neuen Idee.


Was Besucher über den Wandelweg sagen


Der Wandelweg soll nicht nur informieren. Er soll Menschen dazu bringen, Schaephuysen mit anderen Augen zu sehen. Dass dies tatsächlich gelingt, zeigen die vielen Rückmeldungen von Besuchern, die den Weg über das Geocaching entdeckt und erlebt haben.

Besonders schön ist dabei, dass viele der Rückmeldungen von Menschen kommen, die Schaephuysen vorher gar nicht kannten – aber auch Einheimische berichten davon, durch den Wandelweg neue Seiten ihres eigenen Dorfes entdeckt zu haben.


„Eine wunderschöne Runde durch Schaephuysen's Gegend mit dem Fahrrad gemacht. Alle Stationen besucht und lehrreiche Fragen beantwortet. Wir hatten einen schönen Tag.“


„Heute waren wir mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei haben wir einige Ecken von Schaephuysen gesehen, die einem bei der Durchreise mit dem Auto entgehen. Der Wandelweg mit seinen Informationstafeln hat uns besonders gut gefallen.“


„Die Schaephuysener haben den Wandelweg sehr liebevoll gestaltet. Besonders das Guckloch ist klasse gemacht.“


„Der Verein und die Anwohner haben wirklich ganz tolle Arbeit geleistet – das Dorf ist in vielen Ecken viel schöner geworden!“


„Vielen Dank für diese wirklich schöne Wanderung, die mir viel Neues in bekannter Umgebung gezeigt hat.“


Auch Familien haben den Weg für sich entdeckt:


„Dies war ein schöner Spaziergang quer durch Schaephuysen. Wir waren mit den Kindern ca. 2,5 Stunden unterwegs.“


Und manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die einen Besuch in Erinnerung bleiben lassen:


„Ein schöner, lehrreicher Wanderweg! Die Kinder hatten Spaß. Die Apfelringe und Schorle vom Automaten auf halbem Wege waren auch gut!“


Viele Besucher loben außerdem, dass die Stationen nicht nur schön gestaltet, sondern auch verständlich und informativ sind. Flora und Fauna werden auf unterhaltsame Weise vermittelt, und selbst Menschen, die die Gegend eigentlich gut zu kennen glauben, entdecken neue Orte und Zusammenhänge.

Besonders häufig taucht in den Rückmeldungen ein Gedanke auf, der vielleicht am besten beschreibt, was der Wandelweg erreichen möchte:


Man sieht Schaephuysen plötzlich mit anderen Augen.


Genau dafür wurde der Wandelweg geschaffen.


... und unseren Flyer zum selber ausdrucken. Vorder und Rückseite